Amurnatter (Elaphe schrenckii)
Reptil Anfänger Anfängergeeignet

Amurnatter

Elaphe schrenckii

Die Amurnatter stammt aus den kalten Wäldern und Flusstälern des Amur-Gebiets zwischen Sibirien, der Mandschurei und Korea und gilt als eine der friedfertigsten großen Nattern. Sie wird 1,2–1,8 m (selten bis 2 m) lang, klettert gern und braucht ein hohes Terrarium sowie eine echte, kühle Winterruhe.

Herkunft: Ferner Osten Russlands (Amur-Becken in Sibirien, Region Primorje), Korea, Nordost- und Nordchina (Mandschurei, Hebei, Shanxi) sowie Ostmongolei. Kalt-kontinentale Wald- und Flusslandschaften mit strengen Frostwintern.

Haltungsdaten im Überblick

Temperatur (Tag)
22–28 °C (Gradient mit kühler Zone)
Sonnenplatz
28–32 °C, nur lokal am Sonnenplatz
Temperatur (Nacht)
18–20 °C (Nachtabsenkung)
Luftfeuchtigkeit
50–70 %, zur Häutung am oberen Ende
Terrarium (Minimum)
1,0 x 0,5 x 1,0 der Gesamtlänge (BMEL-Gutachten, kletternde Nattern) – bei einem 1,6-m-Tier also ca. 160 x 80 x 160 cm (L x B x H)
Terrarientyp
Temperiertes Waldterrarium, semi-arboricol: Höhe entspricht der Länge, mit stabilen Kletterästen, Rindenstücken, mehreren Verstecken in verschiedenen Temperaturzonen und einem großen, standfesten Wasserbecken.
Aktivität
Tag- bis dämmerungsaktiv; sonnt sich gern unter der Beleuchtung, Beleuchtungsdauer ca. 12 Stunden
Sozialverhalten
Einzelhaltung oder Paarhaltung üblich (die BMEL-Maße gelten für max. zwei etwa gleich große Tiere). Gefüttert wird immer getrennt.
Ernährung
Frostfutter (aufgetaute Mäuse und Ratten), vollständig bis zum Kern aufgetaut. Adulte Tiere alle 7–14 Tage, Jungtiere etwa wöchentlich. Frisst in der Regel problemlos Totfutter. Vor der Winterruhe 2–3 Wochen Futterpause.
Lebenserwartung
15–20 Jahre, bei guter Pflege auch länger

Pflege & Haltung

Das solltest du wissen

  1. Betreibe jede Wärmequelle (Spot, Heizmatte, Heizkabel) ausschließlich über einen Thermostat oder Dimmer mit Fühler am Sonnenplatz und schirme sie so ab, dass die Schlange sie nicht direkt berühren kann. Halte die Umgebungstemperatur dauerhaft unter 28 °C – nur ein kleiner, lokaler Sonnenplatz darf 28–32 °C erreichen, und eine kühle Rückzugszone muss immer verfügbar sein. Diese boreale Art aus dem Amur-Gebiet stirbt an Hitzestau: Ungeregelte Heizungen schießen weit über 32 °C und verursachen Verbrennungen. Miss mit echtem Thermometer und Hygrometer nach, statt zu schätzen, und übernimm keine Shop-Angaben mit 30 °C Grundtemperatur oder 35 °C Sonnenplatz – die sind für diese Art tödlich zu warm.
  2. Stelle die Fütterung mindestens 2–3 Wochen vor dem Herunterkühlen ein (etwa ab Ende September), damit der Darm vor der Winterruhe vollständig entleert ist. Unverdaute Beute fault bei 8–12 °C im Darm und tötet das Tier. Senke die Temperatur danach langsam ab, halte die Winterruhe ca. 2–3 Monate bei 8–12 °C und kontrolliere die Schlange alle paar Tage. Ohne echte Winterruhe gelingt keine Zucht.
  3. Kühle nur gesunde, gut genährte Tiere herunter. Wiege die Schlange vor der Winterruhe, lass im Zweifel eine Kotprobe untersuchen und kuriere Atemwegsinfekte, Milben oder Wurmbefall vorher aus – kranke oder untergewichtige Tiere sterben in der Kühlphase. Wiege auch während der Winterruhe regelmäßig und brich sie kontrolliert ab (langsam wieder aufwärmen), sobald das Tier mehr als ca. 10 % Gewicht verliert, Atemgeräusche zeigt oder apathisch wird.
  4. Halte Jungtiere im ersten Winter nur deutlich kürzer und weniger tief kühl – oder lass die Winterruhe im ersten Jahr ganz aus. Schlüpflinge haben kaum Reserven; eine volle 2–3-monatige Kühlung bei 8–12 °C kann sie töten.
  5. Biete dauerhaft ein großes, standfestes Wasserbecken zum Trinken und Baden an – auch während der gesamten Winterruhe. Nimm das Wasser niemals heraus: Die Schlange trinkt auch bei 8–12 °C und dehydriert sonst über die Kühlphase hinweg. Das Bad ist außerdem wichtig für eine problemlose Häutung.
  6. Taue Frostfutter schonend und bis zum Kern auf (z. B. über Nacht im Kühlschrank, danach auf Raum- bzw. Körpertemperatur bringen). Verfüttere nie halb gefrorene Beute, taue nicht in der Mikrowelle auf und friere aufgetautes Futter nicht wieder ein. Lass das Tier nach der Mahlzeit mehrere Tage in Ruhe, halte die Wärmezone verfügbar und kühle es in dieser Zeit nicht herunter – sonst würgt es die Beute hoch oder sie fault unverdaut im Darm.
  7. Plane das Terrarium nach dem BMEL-Gutachten für kletternde Nattern: 1,0 x 0,5 x 1,0 der Gesamtlänge, bei einem 1,6-m-Tier also ca. 160 x 80 x 160 cm (gilt für maximal zwei etwa gleich große Tiere). Richte es mit stabilen Kletterästen und mehreren Verstecken in verschiedenen Temperaturzonen ein und verriegle es zuverlässig ausbruchsicher – die Art ist kräftig, klettert aktiv und wird bis zu 2 m lang. Füttere grundsätzlich mit der Futterzange und bei Paarhaltung jedes Tier getrennt, sonst kommt es zu Verwechslungs- und Beißunfällen.
  8. Wasche dir nach jedem Kontakt mit Tier, Terrarium, Wasserbecken oder Futter gründlich die Hände und reinige Terrarienzubehör nie in der Küchenspüle – Reptilien scheiden regelmäßig Salmonellen aus. Halte das besonders streng ein, wenn Kleinkinder, Schwangere oder immungeschwächte Personen im Haushalt leben.

Wusstest du?

Interessante Fakten

  • Sie zählt zu den kältetolerantesten Schlangen überhaupt: Ihr Verbreitungsgebiet am Amur kennt strenge Frostwinter – in der Natur hält sie ihre Winterruhe etwa doppelt so lange wie im Terrarium.

  • Trotz einer Länge von bis zu zwei Metern beschreibt die herpetologische Fachpresse sie als „die freundlichste der großen Schlangen“ – neugierig, gelassen und deshalb eine der besten Schauschlangen für ein großes Terrarium.

  • Die früher als Unterart geführte Elaphe schrenckii anomala gilt heute als eigenständige Art (Elaphe anomala). Beim Kauf lohnt daher der genaue Blick auf die Artbezeichnung, denn beide werden umgangssprachlich „Amurnatter“ genannt.