Eidechsennatter
Malpolon monspessulanus
Mit 140–190 cm (selten bis 200 cm) ist die Eidechsennatter die größte Trugnatter Europas: schnell, wehrhaft, laut zischend — und mit Giftzähnen weit hinten im Oberkiefer. Eine besonders geschützte Art, die ausschließlich in erfahrene Hände gehört.
Herkunft: Westlicher Mittelmeerraum: Iberische Halbinsel (Spanien, Portugal, Gibraltar), Südfrankreich und Nordwest-Italien (Ligurien) sowie Nordwestafrika (Marokko, Algerien, Tunesien, Westsahara). Lebensraum: stark besonnte, trockene Gebiete mit niedrigem Gestrüpp und Dornbusch, Felshänge, Kulturland — bis rund 2.000 m Höhe.
Rechtsstatus: Schutz: | Regelwerk | Fußnoten | Name im Regelwerk | streng bzw. besonders geschützt nach BNatSchG [BG] | Status:b | Malpolon monspessulanus | BArtSch
Haltungsdaten im Überblick
- Temperatur (Tag)
- 25–32 °C als Gradient über das Terrarium (warmes Ende bis 32 °C)
- Temperatur (Nacht)
- 20–22 °C (deutliche Nachtabsenkung)
- Terrarium (Minimum)
- mind. 240 x 80 x 80 cm für ein 160-cm-Tier (BMELV-Reptiliengutachten: 1,5 x 0,5 x 0,5 der Gesamtlänge); große Männchen bis 200 cm entsprechend mehr, ca. 300 x 100 x 100 cm
- Terrarientyp
- Großes, abschließbares Trockenterrarium (mediterran/terrestrisch) mit Warnhinweis: Sand-Lehm-Substrat, Steinaufbauten, mehrere Verstecke/Schlupfkästen, Wasserschale. Wärme von oben über einen Spotstrahler auf einem Sonnenplatz plus UV-B-Beleuchtung; örtliche Bodenheizung nur ergänzend, nie als einzige Wärmequelle. Alle Heizquellen über Thermostat geregelt.
- Aktivität
- Tag- bis dämmerungsaktiv, gelegentlich auch nachts aktiv; sonnt sich vor allem in den Morgenstunden
- Sozialverhalten
- Einzelgängerisch, strikte Einzelhaltung. Die Art frisst nachweislich auch andere Schlangen (ophiophag), daher besteht Kannibalismusrisiko. Ein Zusammensetzen ist allenfalls zeitweise zur Paarung dokumentiert und nur unter ständiger Aufsicht vertretbar.
- Ernährung
- Karnivor: Kleinsäuger bis Wildkaninchengröße, Vögel, Eidechsen und andere Schlangen; Amphibien und Arthropoden nur selten. Im Terrarium überwiegend adulte Mäuse (ca. 20–30 g) bis Ratten. Ausschließlich Frostfutter, vollständig aufgetaut und angewärmt, mit langer Zange angeboten. Nicht jedes Tier nimmt Nager sofort an — manche Individuen sind auf Echsen geprägt und müssen umgewöhnt werden.
Pflege & Haltung
Das solltest du wissen
- Arbeite niemals freihändig: Nutze Haken oder Rohr, halte die Finger aus dem Maulbereich und reiß das Tier bei einem Biss nicht weg. Die Giftzähne sitzen weit hinten im Oberkiefer — kurze Abwehrbisse bleiben meist lokal, längere Bisse (ab etwa einer Minute) haben starke Schmerzen, aufsteigende Schwellung, Taubheitsgefühl, Lidptose bis hin zu Schluck- und Atembeschwerden ausgelöst. Ein Antivenin existiert nicht. Halte die Nummer des Giftnotrufs griffbereit, arbeite nie allein mit dem Tier (jemand muss wissen, dass du am Terrarium bist) und lass jeden Biss sofort ärztlich abklären: Nenne der Klinik die Art (Malpolon monspessulanus) und sag ausdrücklich, dass es kein Antivenin gibt und symptomatisch behandelt wird.
- Halte das Tier in einem abschließbaren, absolut ausbruchssicheren Terrarium und schließe es nach jedem Öffnen wieder ab. Bring ein gut sichtbares Warnschild an ('GIFTIG — Malpolon monspessulanus') und sorge dafür, dass Kinder und Dritte keinen Zugriff haben. Transportiere die Schlange ausschließlich in einem verschlossenen, gesicherten und mit der Art beschrifteten Behälter. Nimm sie nie heraus, um sie vorzuzeigen, und arbeite nie unter Zeitdruck, Alkohol- oder Medikamenteneinfluss mit ihr.
- Kläre die Rechtslage, BEVOR du ein Tier übernimmst — und zwar doppelt: (1) Gefahrtierrecht: Mehrere Bundesländer (u. a. Bayern, Berlin, Hessen, Bremen, Hamburg, Saarland) regeln oder verbieten die Haltung von Giftschlangen, teils mit Erlaubnispflicht und Sachkundenachweis. Frag vorab bei der zuständigen Behörde deines Bundeslandes nach. (2) Naturschutzrecht: Die Art ist besonders geschützt (WISIA Status b) — sichere dir einen lückenlosen Herkunftsnachweis und melde deinen Bestand inklusive Zu- und Abgängen sowie Nachzuchten der unteren Naturschutzbehörde. Übernimm keine Tiere ohne saubere Papiere oder aus Wildfang.
- Führe die Winterruhe jedes Jahr durch — aber nur mit einem gesunden Tier. Lass vorher tierärztlich untersuchen und eine Kotprobe auf Parasiten prüfen: Ein krankes, parasitiertes, dehydriertes oder untergewichtiges Tier überlebt die Kühlphase oft nicht. Setze das Futter rechtzeitig ab und warte die vollständige Darmentleerung ab. Senke Temperatur und Beleuchtungsdauer dann schrittweise über ein bis zwei Wochen ab (Ziel 10–15 °C, etwa Ende November bis Ende Februar) und fahre danach genauso langsam wieder hoch. Kühle und erwärme niemals abrupt — und lass die Kühlphase nicht ausfallen, sonst drohen Stoffwechsel- und Fortpflanzungsprobleme.
- Beleuchte hell und biete Wärme von oben an: Diese tagaktive, sich sonnende Art braucht einen Wärmestrahler über einem Sonnenplatz plus UV-B-Beleuchtung. Eine Bodenheizung als einzige Wärmequelle reicht nicht — sie erlaubt keine korrekte Thermoregulation und schadet dem Tier mittelfristig. Regle jede Heizquelle (Strahler wie Bodenheizung) über einen Thermostat und kontrolliere die Werte mit Thermometern: Ungeregelte Heizelemente verursachen Verbrennungen. Miss deinen Sonnenplatz selbst aus und richte ihn am warmen Ende des Gradienten aus (Tagesgradient 25–32 °C, nachts deutlich absenken).
- Füttere ausschließlich mit einer langen Zange und nie aus der Hand — die Futterreaktion ist die häufigste Bissursache. Verwende Frostfutter, vollständig aufgetaut und auf Körpertemperatur angewärmt. Verfüttere keine lebenden Nagetiere: Sie können die Schlange schwer verletzen oder töten, und ihr Einsatz ist nach dem TierSchG nur in engen Ausnahmen zulässig. Rechne damit, dass einzelne Tiere auf Echsen geprägt sind und erst behutsam an Nager umgewöhnt werden müssen.
- Plane von Anfang an groß und halte das Tier einzeln. Rechne mit mindestens 240 x 80 x 80 cm für ein 160-cm-Tier (BMELV-Reptiliengutachten: 1,5 x 0,5 x 0,5 der Gesamtlänge); große Männchen bis 200 cm brauchen entsprechend mehr (ca. 300 x 100 x 100 cm). Richte ein Trockenterrarium mit Sand-Lehm-Substrat, Steinaufbauten, mehreren Verstecken und Wasserschale ein. Setze niemals zwei Tiere dauerhaft zusammen — die Art frisst auch andere Schlangen (Kannibalismusgefahr); ein Zusammensetzen kommt allenfalls kurz zur Paarung und nur unter ständiger Beobachtung in Frage.
- Wasche und desinfiziere nach jedem Kontakt mit Tier, Einrichtung oder Wasser gründlich die Hände (Salmonellenrisiko) und reinige Terrarienzubehör nie in der Küchenspüle. Besonders konsequent sein in Haushalten mit Kleinkindern, Schwangeren oder immungeschwächten Personen.
Wusstest du?
Interessante Fakten
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Bei Schlangen ungewöhnlich: Bei der Eidechsennatter sind die Männchen deutlich größer als die Weibchen — und praktisch ungefleckt, während Weibchen und Jungtiere kräftig braun-schwarz gefleckt sind.
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Sie tötet doppelt: Größere Beute wird gleichzeitig erwürgt und durch das Gift der hinteren Zähne gelähmt. Das Beutespektrum reicht von Eidechsen über andere Schlangen bis zu Vögeln und jungen Wildkaninchen.
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In Nordafrika wird die Art gezielt für Schlangenbeschwörer gefangen; ausgestopfte Tiere landen als Souvenirs auf Märkten.
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