Feuersalamander (Salamandra salamandra)
Amphibie Fortgeschritten

Feuersalamander

Salamandra salamandra

Der Feuersalamander ist ein langlebiger, nachtaktiver Waldbewohner Mitteleuropas — schwarz-gelb gemustert, giftig und ausgesprochen kühlebedürftig. Er ist besonders geschützt, darf nur als Nachzucht gehalten werden und stellt hohe Ansprüche an Kühlung, Trockenheit und Seuchenhygiene.

Herkunft: Europa: von der Iberischen Halbinsel über West-, Mittel- und Osteuropa bis in die Ukraine, nach Rumänien und Bulgarien; im Süden bis Süditalien, im Norden bis kurz hinter die Elbe. In Deutschland kommen zwei Unterarten vor (S. s. salamandra, Gefleckter Feuersalamander; S. s. terrestris, Gestreifter Feuersalamander). Lebensraum sind feuchte Laub- und Buchenmischwälder mit Quellen und Bächen, meist in 200–400 m ü. NN, im Schwarzwald bis ca. 900 m, in den Bayerischen Alpen bis ca. 1.000 m.

Haltungsdaten im Überblick

Temperatur (Tag)
Aktivitätszeit (Sommer): dauerhaft unter 20 °C halten — 20 °C ist die Obergrenze, kein Zielwert. Werden 20 °C über mehrere Tage überschritten, ist aktive Kühlung zwingend. Ab 25 °C liegt ein Notfall vor, der sofortiges Kühlen erfordert. Wintermonate: 2–6 °C. Normale Zimmertemperatur reicht nur so lange aus, wie sie 20 °C nicht dauerhaft überschreitet; in warmen Sommern genügt sie nicht. Nachts ist eine spürbare Absenkung nötig (die Primärquellen fordern sie, nennen aber keinen Zahlenwert).
Sonnenplatz
Kein Wärmespot. Feuersalamander brauchen keine Wärmequelle — Heizlampen, Heizmatten und Sonneneinstrahlung durch Fenster sind schädlich. Falls Beleuchtung gewünscht ist: LED ohne nennenswerte Wärmeabgabe.
Luftfeuchtigkeit
Kein fester Prozentwert — die Feuchte wird über einen Gradienten gesteuert, nicht über einen %-Wert: Bodengrund eher trocken halten, dazu Wasserschale (mit Ausstiegshilfe, ca. 3–5 cm tief, Wasser mind. 2× pro Woche wechseln, chlorfrei) und eine dauerhaft feuchte Wetbox. Im Sommer 1–2× pro Woche sprühen; das Becken muss nach 2–3 Stunden oberflächlich wieder abgetrocknet sein. Dauernässe und Staunässe führen unweigerlich zu schwer behandelbaren Hautproblemen. In der systematisierten Haltung auf Papier wird gar nicht gesprüht.
Terrarium (Minimum)
Grundfläche mind. 80 x 40 cm; besser 100 x 50 cm für 2–3 Tiere (Höhe zweitrangig, da Bodenbewohner — Strukturierung z. B. mit gestapelter Korkrinde vergrößert die Nutzfläche)
Terrarientyp
Kühles, sehr gut belüftetes Landterrarium (Waldboden-Typ) mit Wasserschale bzw. kleinem Wasserteil und mehreren Verstecken; Bodengrund eher trocken (Lehm, Bentonit, sterilisierte Erde), Feuchtigkeitsgradient über Wetbox und Wasserschale. Alternativ die bewährte „systematisierte Haltung" in Euro-/Plastikbehältern mit Zeitungspapier, Wetbox mit Sphagnum-Moos und Wasserschale (wird nie gesprüht). Großflächige Gaze-Lüftung; Staunässe und Stauluft sind unbedingt zu vermeiden. Feuersalamander sind Ausbruchskünstler — der Behälter muss sicher verschlossen sein.
Aktivität
Überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv; tagsüber in Verstecken. In der Natur aktiv bei Temperaturen etwa zwischen 3 °C und 12 °C und hoher Luftfeuchte (gern über 90 %), mit Aktivitätsgipfeln von Ende März bis Mai und von Ende August bis September — entscheidend ist aber das Wetter, nicht der Monat.
Sozialverhalten
Nachtaktiver Einzelgänger, kein echtes Gruppentier. Bewährt für die Zucht ist ein Paar (1,1) oder 1,2. Größere Gruppen können harmonieren, stressen sich aber oft gegenseitig — Männchen führen Kommentkämpfe und bedrängen Weibchen; die EAZA-Guidelines empfehlen deshalb nur EIN Männchen pro Behälter, Weibchengruppen sind unproblematisch. Innerartlicher Stress schwächt vermutlich das Immunsystem. Keine Vergesellschaftung mit anderen Amphibienarten (Seuchenhygiene); Wirbellose wie Asseln oder Springschwänze im Landteil sind möglich. Adulte fressen Larven und Jungtiere — strikt getrennt halten. Larven sind stark kannibalistisch und müssen nach Größe getrennt aufgezogen werden.
Ernährung
Ausschließlich karnivor. In der Haltung: Regenwürmer, Heimchen, Steppen- und Zweifleckgrillen, Asseln, geeignete Nacktschnecken (z. B. Genetzte Ackerschnecke Deroceras reticulatum — keine Wegschnecken); auch aufgeweichte Wasserschildkröten-Pellets oder Repashy „Grub Pie" von der Pinzette. Fütterung adulter Tiere etwa alle 10–14 Tage, Jungtiere wöchentlich. Futtertiere müssen „gut loaded" und mit einem Vitamin-/Mineralstoffpräparat bestäubt werden — mangelhafte Versorgung führt zu kaum behandelbarer Knochenstoffwechselstörung (MBD/Rachitis). Futtertiere nicht länger als 1–2 Tage im Terrarium lassen. Keine Futtertiere von gespritzten oder gedüngten Flächen sammeln und keine aus dem Gartencenter (Pestizidrückstände); in Bsal-Gebieten keine selbst gesammelten Schnecken verfüttern.
Lebenserwartung
Sehr langlebig: in menschlicher Obhut regelmäßig 20 Jahre und mehr, Einzeltiere bis 30 Jahre; dokumentierte Höchstalter von 43 Jahren und über 50 Jahren. Im Freiland ca. 15–20 Jahre.

Pflege & Haltung

Das solltest du wissen

  1. HITZE TÖTET — 20 °C IST DIE OBERGRENZE, KEIN ZIELWERT: Halte das Becken dauerhaft unter 20 °C. Kühle aktiv, sobald 20 °C mehrere Tage überschritten werden. Ab 25 °C ist es ein Notfall — kühle sofort (Kühlakkus oder Gefrierbeutel von außen, Ventilator über feuchtem Tuch, kühlster Raum bzw. Keller; im Notfall das Tier in einer belüfteten Box bei 10–15 °C zwischenlagern). Setze niemals Heizlampe, Heizmatte oder Wärmespot ein und stelle das Terrarium nie in die Sonne, ins Dachzimmer oder in einen Südraum — richtig ist ein unbeheizter Nordraum oder Keller.
  2. FASS DAS TIER FAST NIE AN — DIE HAUT NIMMT ALLES AUF: Greif nie mit trockenen Händen oder mit Resten von Seife, Creme, Desinfektionsmittel oder Nikotin zu; diese Rückstände sind über die Haut tödlich. Wenn Anfassen unvermeidlich ist: frisch gespülte, nasse Hände oder mit chlorfreiem Wasser angefeuchtete, ungepuderte Einmalhandschuhe (Nitril/Vinyl) — und nie am Schwanz greifen. Nimm für Wasserschale und Sprühen ausschließlich chlorfreies Wasser (mind. 24 h abgestanden, aufbereitet oder Osmose); Chlor, Chloramin, Kupfer aus Leitungen und mit Salz enthärtetes Wasser gehen direkt durch die Haut. Betreib im selben Raum keine Insektensprays, Mückenstecker, Duftkerzen, Räucherstäbchen oder scharfen Reiniger.
  3. WASSERSCHALE UND WETBOX DÜRFEN NIE AUSTROCKNEN: Halte den Bodengrund eher trocken, aber kontrollier Wasserschale und feuchte Wetbox täglich — trocknen sie aus, vertrocknet das Tier, denn es deckt seinen Flüssigkeitsbedarf nachts durch Baden. Leg eine Ausstiegshilfe in die Wasserschale (sonst Ertrinkungsgefahr) und wechsel das Wasser mindestens 2× pro Woche. Vermeide zugleich Staunässe und Stauluft: Nach dem Sprühen (im Sommer 1–2× pro Woche) muss die Oberfläche in 2–3 Stunden wieder abgetrocknet sein; entfern Kot sofort. Organisier vor jeder Abwesenheit eine Betreuung und verschließ das Becken sicher — entwichene Tiere vertrocknen in der Wohnung.
  4. ÜBERWINTERE NUR GESUNDE, GUT GENÄHRTE TIERE: Kühl 6–10 Wochen auf konstant 4–6 °C herunter (Keller oder Kühlschrank, einzeln in belüfteten Boxen, Kontrolle alle 1–2 Wochen), üblicherweise zwischen November und März und beginnend 2–3 Wochen nach der letzten Fütterung. Überwinter keine kranken, abgemagerten, verletzten oder frisch erworbenen Tiere und keine Jungtiere im ersten Winter — die Kälte tötet geschwächte Tiere. Wieg und untersuch die Tiere vorher, kontrollier das Gewicht währenddessen und brich bei deutlichem Verlust, Hautveränderungen oder Apathie ab. Kühl und wärm immer langsam über mehrere Tage, nie schlagartig, und lass die Temperatur nie unter 0 °C sinken. Auf die Überwinterung darfst du nur verzichten, wenn das Becken im Winter dauerhaft 9–12 °C hält.
  5. BSAL: EIN EINZIGES EINGESCHLEPPTES TIER LÖSCHT DEINEN GESAMTEN BESTAND AUS: Halte Neuzugänge mindestens 4–8 Wochen streng getrennt (eigenes Becken, eigene Pinzette und Schalen, immer zuletzt versorgen, Handschuhe wechseln) und lass sie vorher auf Bsal/Chytrid testen. Desinfizier Geräte und Hände zwischen den Becken und tausch nichts zwischen Beständen aus. Bring kein unsterilisiertes Material aus der Natur ins Terrarium und sammel keine Futtertiere auf gespritzten oder gedüngten Flächen (auch nichts aus dem Gartencenter). Vergesellschafte nie mit anderen Amphibienarten. Lass unter keinen Umständen ein Tier frei oder entkommen — Bsal rottet Wildpopulationen aus.
  6. HALT EIN AUFZUCHTBECKEN BEREIT — LARVEN KOMMEN OHNE VORWARNUNG: Weibchen speichern Spermien und setzen auch Monate nach dem Erwerb bis zu rund 60 lebende Larven in der Wasserschale ab. Entnimm die Larven sofort und zieh sie in kühlem, sauberem, chlorfreiem Wasser auf (kleine Gruppen, täglich füttern) — in der Wasserschale werden sie gefressen, und untereinander beißen sie sich bei Hunger oder Größenunterschied Gliedmaßen und Kiemenbüschel ab. Trenn Larven und Jungtiere strikt nach Größe und setz sie nie zu Adulten: Adulte fressen sie.
  7. GIFTIG — SCHÜTZ DICH, KINDER UND HAUSTIERE: Das Hautdrüsensekret (Steroid-Alkaloide, u. a. Samandarin) reizt Schleimhäute, und in seltenen Fällen verspritzen die Tiere es aktiv. Fass nach jedem Kontakt nicht an Augen, Nase oder Mund und wasch die Hände gründlich mit Seife und sauberem Wasser. Spül bei Augenkontakt sofort 10–15 Minuten mit viel klarem Wasser, reib nicht, fass keine Kontaktlinsen an und such ärztliche Hilfe. Ruf sofort Arzt bzw. Tierarzt, wenn ein Kind, ein Hund oder eine Katze das Tier ableckt oder verschluckt. Halt Kinder und Haustiere vom Terrarium fern — gebissen wirst du nicht.
  8. MELDE DEN BESTAND UND KAUF NUR NACHZUCHTEN: Die Art ist nach BArtSchV Anlage 1 besonders geschützt. Melde deinen Bestand und jede Bestandsveränderung (Zugang, Nachzucht, Abgabe, Todesfall) bei der zuständigen Behörde (in der Regel die Untere Naturschutzbehörde) und führ einen Herkunftsnachweis. Kauf ausschließlich Nachzuchten, niemals Wildfänge, und entnimm keine Tiere aus der Natur.

Wusstest du?

Interessante Fakten

  • Einzigartig unter allen Schwanzlurchen: Das Feuersalamander-Weibchen legt keine Eier, sondern setzt lebende, sofort jagende Larven im Wasser ab (Larviparie) — meist 30 bis 40, im Extremfall bis zu 80 Stück.

  • Weibchen speichern Spermien in einer Samentasche und können damit noch bis zu zwei Jahre nach der Paarung befruchten — Paarung und Befruchtung sind also zeitlich entkoppelt.

  • Das gelb-schwarze Muster ist bei jedem Tier individuell wie ein Fingerabdruck, sodass sich schon Larven und erst recht adulte Tiere lebenslang wiedererkennen lassen — und manche werden dabei sehr alt: nachgewiesen sind über 50 Jahre.