Geißelspinne
Damon diadema
Damon diadema ist die größte Art ihrer Gattung und mit bis zu 20 cm Beinspannweite ein imposanter, aber völlig ungiftiger Nachtjäger. Sie besitzt weder Gift- noch Spinndrüsen und gilt als eine der unkompliziertesten Geißelspinnen für Einsteiger.
Herkunft: Ostafrika — Tansania und Kenia (entlang der Ostküste und etwas landeinwärts), teils weiter nach Zentralafrika. Lebt in tropischen Regenwäldern, savannenartigen Gebieten und Höhlen: unter Rinde, in Fels- und Baumspalten sowie unter umgestürzten Stämmen.
Rechtsstatus: Kein WISIA-Eintrag (auch nicht unter Synonym) → in Deutschland nicht geschützt.
Haltungsdaten im Überblick
- Temperatur (Tag)
- 22–28 °C
- Luftfeuchtigkeit
- 70–85 %
- Terrarium (Minimum)
- mind. 30 x 30 x 30 cm, besser 50 x 40 x 40 cm für ein Einzeltier — Höhe ist wichtiger als Grundfläche
- Terrarientyp
- Hohes tropisches Kletter-/Regenwaldterrarium mit senkrechten Kork- und Rindenflächen als Lauf-, Versteck- und Häutungsplatz; 6–8 cm feuchtes Bodensubstrat (Kokoshumus, Waldhumus, Sphagnum)
- Aktivität
- Nachtaktiv (alle Geißelspinnen sind nacht- und dämmerungsaktiv)
- Sozialverhalten
- Subsozial — für ein Spinnentier ungewöhnlich verträglich. Mütter und Jungtiere bleiben bis zu ca. 1 Jahr zusammen, aggregieren aktiv und kommunizieren durch Betasten mit den Geißeln; Jungtiere erkennen Verwandte und verhalten sich gegenüber Geschwistern deutlich friedlicher als gegenüber fremden Artgenossen. Mit der Geschlechtsreife (ca. 12–15 Monate) meiden sich die Tiere außerhalb der Paarung. Gruppenhaltung ist möglich, aber: adulte Männchen werden untereinander aggressiv, und bei Enge oder Futterknappheit tritt Kannibalismus auf.
- Ernährung
- Lebendfutter: Heimchen, Grillen, Schaben und andere passend große Wirbellose; Jungtiere Fruchtfliegen und Mikroheimchen. Fütterung 1–2× pro Woche, adulte Tiere deutlich seltener. Nicht gefressene Futtertiere spätestens am nächsten Tag entfernen. Dauerhaft ein flaches Wasserschälchen anbieten.
- Lebenserwartung
- ca. 7–10 Jahre
Pflege & Haltung
Das solltest du wissen
- Die Häutung ist die gefährlichste Phase und die häufigste Todesursache durch Haltungsfehler: Biete eine hohe, senkrechte Kletterfläche (Kork, Rinde, Rückwand) bis knapp unter den Deckel mit freiem Raum darunter — das Tier häutet sich kopfüber hängend. Halte dabei die Luftfeuchte konstant hoch. Störe das Tier während der Häutung und in der Aushärtungsphase (ca. 1–2 Wochen) absolut nicht: nicht anfassen, nicht umsetzen, nicht direkt anspritzen, nichts im Terrarium umbauen. Ein gestörtes oder zu trocken gehaltenes Tier bleibt in der alten Haut stecken oder stürzt ab — das endet meist tödlich. Plane die HÖHE des Terrariums wichtiger als die Grundfläche.
- Lass Lebendfutter niemals über Nacht im Terrarium: Heimchen und Grillen nagen häutende und frisch gehäutete Tiere an und töten sie. Entferne nicht gefressene Futtertiere spätestens am nächsten Tag konsequent. Füttere kurz vor und während der Häutung gar nicht und warte danach 1–2 Wochen, bis der Panzer ausgehärtet ist — vorher ist das Tier gegen jedes Futtertier wehrlos.
- Fixiere alle Kletterflächen und Deko (Korkröhren, Rückwand, Rinde) sicher und kippfest. Herabfallende Einrichtung erschlägt ein kopfüber hängendes, häutendes Tier — eine der stillen Todesursachen im Häutungsterrarium.
- Verhindere Austrocknung, die zweite große Todesursache: Halte das Substrat (6–8 cm Kokoshumus, Waldhumus oder Sphagnum) dauerhaft leicht feucht, sprühe alle 1–2 Tage und biete immer ein flaches Wasserschälchen an. Setze keinen Wärmestrahler und keinen Spotstrahler ein — das Tier ist ein nachtaktiver Rinden- und Höhlenbewohner, punktuelle Wärmequellen trocknen es aus.
- Heize nur, falls überhaupt nötig, und dann ausschließlich über eine schwache Heizmatte mit Thermostat, seitlich oder an der Rückwand angebracht. Betreibe niemals eine Heizmatte ohne Thermostat, niemals unter dem Substrat (trocknet den Bodengrund von unten aus) und niemals einen Strahler.
- Halte Insektizide und Chemikalien fern — sie sind für Geißelspinnen tödlich: keine Fliegen- oder Mottensprays, keine Duft- oder Insektenstecker/Verdampfer im Raum, keine Spot-on-/Flohmittel-behandelten Haustiere in der Nähe. Verfüttere keinen Wildfang und verwende keine gedüngte oder behandelte Blumenerde und keine Gartencenter-Pflanzen (Pestizidrückstände) als Substrat oder Deko.
- Feucht ist nicht nass: Staunässe und stehende Luft führen zu Schimmel und Milbenbefall. Sorge für Querlüftung, halte das Substrat nur leicht feucht — nie triefend — und lass kein stehendes Wasser im Bodengrund.
- Bei Gruppenhaltung und Pflege: Jungtiere und Geschwister sind verträglich, doch bei Platzmangel oder Futterknappheit kommt es zu Kannibalismus, und adulte Männchen werden untereinander aggressiv — trenne sie und biete reichlich Verstecke sowie mehrere getrennte Kletterflächen. Greife das Tier nie und zieh es nie von der Rinde ab (dabei reißen Beine ab, Autotomie) — fang es mit einer Dose ab oder lass es selbst hineinlaufen. Es ist ungiftig und harmlos, aber blitzschnell und fluchtbereit: Halte das Terrarium jederzeit sicher verschlossen.
Wusstest du?
Interessante Fakten
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Weder Gift- noch Spinndrüsen: Geißelspinnen sind die einzige Spinnentierordnung, der beides fehlt. Sie jagen rein mechanisch, indem sie die Beute mit den bedornten Fangtastern aufspießen und festhalten — ganz ohne Gift.
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Sie laufen nur auf sechs Beinen: Das erste Beinpaar ist zu fadendünnen 'Geißeln' umgebaut, die bis zu dreimal so lang wie der Körper werden können. Sie dienen nicht der Fortbewegung, sondern sind reine Tastorgane, mit denen das Tier die Umgebung abfühlt.
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Soziales Verhalten gibt es bei weniger als einem Prozent aller Spinnentiere — Damon diadema gehört dazu. Forschung (u. a. Rayor & Taylor 2006 sowie eine Studie zur Verwandtenerkennung im Journal of Arachnology, 2008) zeigt: Mütter und Jungtiere bleiben bis zu einem Jahr zusammen, kommunizieren durch sanftes Betasten mit den Geißeln, und die Jungtiere können Geschwister von fremden Artgenossen unterscheiden.
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