Gophernatter (Pituophis catenifer)
Reptil Anfänger Anfängergeeignet

Gophernatter

Pituophis catenifer

Die Gophernatter ist eine große, kräftige und völlig ungiftige Natter aus dem Westen Nordamerikas — robust, tagaktiv und ein guter Gräber. Bei Gefahr imitiert sie täuschend echt eine Klapperschlange: zusammenrollen, lautes Zischen, Schwanzvibrieren.

Herkunft: Westliches Nordamerika: vom südwestlichen Kanada (British Columbia) über den Mittelwesten und Westen der USA bis ins nördliche Mexiko. Besiedelt sehr unterschiedliche Lebensräume — Wüsten und Halbwüsten, Prärie und Baumsavanne, mediterrane Hartlaubvegetation, offenen Koniferenwald und Agrarland, vom Tiefland bis ins Gebirge.

Haltungsdaten im Überblick

Temperatur (Tag)
24-28 °C im Gradient (kühle Seite ca. 22-25 °C)
Sonnenplatz
30-32 °C lokaler Wärmeplatz
Temperatur (Nacht)
18-22 °C (nächtliche Absenkung)
Luftfeuchtigkeit
ca. 40-60 % (Trockenterrarium, keine Dauernässe; feuchte Versteckbox zur Häutung)
Terrarium (Minimum)
mind. 120 x 60 x 60 cm (L x B x H) für ein adultes Tier; nach BMELF-Reptiliengutachten: Länge = 1,0 x, Breite = 0,5 x, Höhe = 0,75 x Gesamtlänge des Tieres — bei 1,5 m Tier also eher 150 x 75 x 110 cm
Terrarientyp
Trockenterrarium (Bodenterrarium) mit Sand-Lehm-Gemisch als grabfähigem Bodengrund, mehreren Verstecken auf warmer und kühler Seite, Kletterast, Wasserschale und feuchter Versteckbox zur Häutung
Aktivität
Tagaktiv; bei großer Hitze verschiebt sich die Aktivität in Morgen- und Abendstunden, mittags Rückzug in Erdhöhlen
Sozialverhalten
Einzelgänger — strikte Einzelhaltung. Zusammensetzen nur kontrolliert zur Verpaarung; dauerhafte Gruppenhaltung bedeutet Stress, Beißunfälle und Kannibalismusgefahr.
Ernährung
Karnivor: Frostfutter (Mäuse, Ratten, Küken) in passender Größe, vollständig aufgetaut und auf ca. 35-40 °C angewärmt. Jungtiere ca. alle 5-10 Tage, adulte Tiere ca. alle 7-14 Tage. Kein Lebendfutter.
Lebenserwartung
ca. 12-20 Jahre, bei guter Haltung auch 30+ Jahre

Pflege & Haltung

Das solltest du wissen

  1. Regle Heizmatte, Strahler und jede andere Wärmequelle ausnahmslos über ein Thermostat und schirme sie gegen direkten Körperkontakt ab — ungeregelte Wärme verbrennt das Tier oder tötet es durch Hitzestau innerhalb weniger Stunden. Verlass dich nie auf einen einzigen Fühler: Kontrolliere zusätzlich mit einem unabhängigen Thermometer am Wärmeplatz, auf der kühlen Seite und im Bodengrund, und sichere die Anlage idealerweise mit einem zweiten Thermostat oder Übertemperaturschutz ab. Halte immer einen kühlen Rückzugsbereich frei, damit sich das Tier selbst herunterregeln kann.
  2. Winterruhe (ca. Ende November bis Ende Februar): Füttere mindestens 2 bis 3 Wochen vorher nicht mehr, bis der Darm vollständig leer ist — Futterreste verrotten im abgekühlten Tier und können es töten. Kühle über 1 bis 2 Wochen langsam auf etwa 10-15 °C ab, gehe nicht unter ca. 8 °C und bleibe nicht dauerhaft über ca. 15 °C, und fahre ebenso langsam wieder hoch — niemals abrupt. Wiege das Tier alle 2 Wochen: Bei über ca. 10 % Gewichtsverlust oder bei Krankheitsanzeichen brich die Winterruhe sofort ab und wärme langsam wieder auf. Überwintere ausschließlich gesunde, ausreichend schwere Tiere — kranke oder untergewichtige niemals.
  3. Verfüttere Frostfutter (Mäuse, Ratten, Küken) nur vollständig aufgetaut und auf Körperwärme angewärmt (ca. 35-40 °C Kerntemperatur) — nie gefroren oder halb gefroren, nie in der Mikrowelle auftauen. Kaltes Futter führt zu Regurgitation und inneren Kälteschäden und kann tödlich enden. Füttere ausschließlich mit der Zange und greife nie mit bloßer Hand ins Terrarium, wenn Futtergeruch an den Händen haftet: Die Fressreaktion ist extrem stark, Jungtiere sind oft bissig (Biss schmerzhaft, aber medizinisch harmlos — im Zweifel Schlangenhaken benutzen). Füttere auf einer Platte oder direkt aus der Zange, damit kein loses Substrat mitverschluckt wird (Impaktionsgefahr), und handle 48 Stunden nach der Fütterung nicht.
  4. Biete dauerhaft frisches Trinkwasser in einer standfesten, nicht umkippbaren Schale an — auch während der Winterruhe. Dehydration ist bei Trockenhaltung und in der kühlen Phase tödlich.
  5. Halte Pituophis catenifer strikt einzeln und setze sie niemals dauerhaft mit anderen Schlangen zusammen. Die sehr starke Fressreaktion führt zu Beißunfällen bis hin zum Kannibalismus, dazu Dauerstress und Futterneid. Zusammensetzen nur kontrolliert und kurz zur Verpaarung.
  6. Halte jeden Neuzugang mindestens 3 Monate in Quarantäne: getrennter Raum, eigene Geräte, den Quarantänebestand immer zuletzt versorgen. Milben und Serpentovirus/Nidovirus können einen ganzen Bestand auslöschen.
  7. Sichere das Terrarium dauerhaft gegen Ausbruch: Schloss oder Riegel, gesicherte Schiebescheiben, keine Lücken an Kabeldurchführungen. Die Tiere sind sehr kräftige und ausdauernde Ausbruchskünstler und erreichen bis zu ~1,8 m Länge — entwichene Schlangen trocknen aus, verletzen sich oder gehen verloren.
  8. Halte ein Trockenterrarium mit klarem Temperaturgradient und ca. 40-60 % Luftfeuchte — Dauernässe verursacht Haut- und Atemwegsinfektionen. Biete eine feuchte Versteckbox zur Häutung an und ziehe Häutungs- oder Brillenreste über den Augen niemals trocken ab. Bei mehrfach unvollständiger Häutung, verbleibenden Brillenresten oder Schnürringen an der Schwanzspitze zum Tierarzt (Gefahr von Augenschäden und Abschnürungen).

Wusstest du?

Interessante Fakten

  • Der Name kommt von der Beute: Sie jagt Taschenratten ("gophers") und andere Kleinsäuger bis in deren unterirdische Gänge — sie klettert aber auch auf Bäume und frisst Vögel, Eidechsen und Vogeleier.

  • Ihre Klapperschlangen-Imitation ist so überzeugend, dass sie von Menschen häufig für eine Giftschlange gehalten und deshalb unnötig getötet wird — obwohl sie völlig ungiftig ist.

  • Sie ist eine der anpassungsfähigsten Nattern Nordamerikas: von der Wüste bis ins Gebirge, mit einem geschätzten Bestand von über einer Million adulter Tiere (IUCN: nicht gefährdet). Gelege umfassen 2 bis 24 Eier, die Jungtiere schlüpfen bereits 32 bis 40 cm lang.