Grünflaschenblaue Vogelspinne
Chromatopelma cyaneopubescens
Die Grünflaschenblaue Vogelspinne aus dem Trockenbusch Nordvenezuelas ist eine der farbenprächtigsten Vogelspinnen überhaupt – und einer der fleißigsten Gespinstbauer der Terraristik. Sie gilt als robust und einsteigertauglich, ist aber ein reines Beobachtungstier: sehr schnell, scheu und mit Brennhaaren bewehrt.
Herkunft: Endemit Venezuelas: aride Dornbusch- und Trockenbuschgebiete der Paraguaná-Halbinsel (Bundesstaat Falcón), zusätzliche Nachweise aus dem Landesinneren (Bundesstaat Lara). Heißes, trockenes Küstentiefland mit gut dränierenden Böden; die Tiere leben in eingesponnenen Erdhöhlen unter Büschen und Wurzeln.
Rechtsstatus: Kein WISIA-Eintrag (auch nicht unter Synonym) → in Deutschland nicht geschützt.
Haltungsdaten im Überblick
- Temperatur (Tag)
- 24–28 °C
- Temperatur (Nacht)
- 18–22 °C (Nachtabsenkung wird problemlos vertragen)
- Luftfeuchtigkeit
- Trocken halten: ca. 50–60 % rel. Luftfeuchte, Substrat oberflächlich trocken. Nicht sprühen – ein stets gefüllter, flacher Wassernapf genügt. Gute Belüftung zwingend.
- Terrarium (Minimum)
- mind. 30 x 30 x 30 cm für ein adultes Einzeltier (Bodenfläche mind. 3× Beinspannweite); Höhe über dem Substrat gering halten bzw. mit Bodengrund auffüllen
- Terrarientyp
- Trockenterrarium (arider Dornbusch-Typ). Bodenbewohner mit extrem starkem Gespinstbau – braucht grabfähigen Bodengrund (10–15 cm), Korkröhre/Rindenstücke und Wurzeln als Anheftpunkte für das Gespinst sowie eine Rückzugshöhle. Flach einrichten: der freie Abstand zwischen Substratoberfläche und Deckel darf höchstens 1–1,5 Beinspannweiten betragen (Absturzgefahr), keine harte Deko unter Kletterflächen. Sehr gute Querbelüftung ohne Zugluft, Deckel sicher verschließbar.
- Sozialverhalten
- Strikte Einzelhaltung. Vogelspinnen sind kannibalisch – eine Vergesellschaftung endet regelmäßig damit, dass ein Tier das andere frisst.
- Ernährung
- Insektenfresser: Heimchen, Grillen, Schaben, Heuschrecken; Jungtiere Mikroheimchen, Drosophila. Adulte ca. 1×/Woche, Jungtiere 1–2×/Woche. Futtertiere nicht größer als der Hinterleib. Nicht gefressene Futtertiere immer wieder herausnehmen.
- Lebenserwartung
- Weibchen ca. 12–14 Jahre, Männchen ca. 3–4 Jahre (Männchen sterben kurz nach der Reifehäutung)
Pflege & Haltung
Das solltest du wissen
- ABSTURZ IST DIE HÄUFIGSTE VERMEIDBARE TODESURSACHE: Richte das Becken flach ein. Der freie Abstand zwischen Substratoberfläche und Deckel darf höchstens 1 bis 1,5 Beinspannweiten betragen – fülle notfalls mehr Bodengrund ein. Lege keine harte Deko (Steine, Napf, Wurzelkanten) unter Kletterflächen. Nimm das Tier niemals auf die Hand: Es ist blitzschnell und springt bei Panik ab; ein Sturz lässt den schweren Hinterleib platzen und ist tödlich und nicht behandelbar.
- BRENNHAARE – SCHÜTZE VOR ALLEM DEINE AUGEN: Bei Störung schleudert die Art Brennhaare vom Hinterleib ab. Sie verursachen hartnäckigen Juckreiz sowie Haut- und Atemwegsreizungen und können im Auge bleibende Hornhautschäden anrichten. Beuge dich nie mit dem Gesicht über das offene Becken. Die Haare sammeln sich dauerhaft in Gespinst und Bodengrund: Feuchte das Substrat beim Ausräumen leicht an und trage Handschuhe, Schutzbrille und FFP2-Maske; Allergiker und Asthmatiker reagieren deutlich stärker. Nach Hautkontakt nicht reiben und nicht kratzen (das treibt die Haare tiefer), sondern mit Klebeband abtupfen und waschen. Bei Augenkontakt sofort zum Augenarzt gehen und ausdrücklich sagen, dass es sich um Vogelspinnen-Brennhaare handelt. Ein Biss ist schmerzhaft, für gesunde Menschen aber medizinisch nicht bedeutsam (etwa wie ein Wespenstich); allergische Reaktionen sind möglich.
- HALTE ES TROCKEN – NÄSSE TÖTET: Sprühe nicht. Halte das Substrat oberflächlich trocken (ca. 50–60 % rel. Luftfeuchte) und sorge für kräftige Querbelüftung ohne Zugluft. Dauerfeuchte, Staunässe und schlechte Belüftung (Schimmel, Milben) sind die häufigste Todesursache dieser Art. Biete stattdessen dauerhaft einen flachen, sauberen und gefüllten Wassernapf an. Jungtiere trocknen deutlich schneller aus als adulte Tiere und sterben dann in der Häutung: Gib ihnen ein erreichbares Wasserangebot (Flaschendeckel, Wassertropfen an der Scheibe oder eine leicht feuchte Substratecke), ohne das Becken nass zu machen.
- INSEKTIZIDE TÖTEN DIE SPINNE: Verwende im selben Raum keine Insektensprays, Fogger, Steckdosen-Verdampfer, Mottenpapiere oder Fliegenstrips und wende dort auch keine Floh- und Zeckenmittel für Hund oder Katze an. Meide starke Aerosole und Räucherstäbchen. Schon kleinste Mengen sind für Spinnentiere tödlich.
- NICHT PUNKTUELL HEIZEN, NIE IN DIE SONNE STELLEN: Verzichte auf Heizmatten unter dem Becken und auf Heizstrahler – Verbrennungs- und Austrocknungsgefahr. In beheizten Wohnräumen genügt in der Regel die Zimmertemperatur; temperiere im Zweifel den Raum oder eine Seitenwand, niemals den Bodengrund. Stelle das Terrarium nie ans Fenster oder in direkte Sonne: Das Becken heizt sich innerhalb kurzer Zeit tödlich auf (Hitzestau).
- BECKEN IMMER SICHER VERSCHLIESSEN: Halte den Deckel verriegelt und öffne ihn nur langsam und mit Sichtkontakt zum Tier. Die Art ist extrem schnell – eine entkommene Spinne stirbt fast immer (Austrocknung, Zertreten, Verschwinden hinter Möbeln).
- HÄUTUNG UND FÜTTERUNG: Ein Tier, das auf dem Rücken liegt, ist nicht tot, sondern häutet sich – nicht anfassen, nicht stören, nicht füttern, bis der Panzer nach ein bis zwei Wochen ausgehärtet ist. Lasse niemals lebende Futtertiere unbeaufsichtigt im Becken: Sie verletzen oder töten die frisch gehäutete, weiche Spinne. Verfüttere nur Tiere aus sauberer Zucht (nie aus dem Garten – Pestizidrückstände und Parasiten) und nicht größer als der Hinterleib; wehrhafte adulte Schaben und dornige Heuschrecken sind tabu. Wochen- bis monatelange Fastenphasen sind normal, besonders vor der Häutung: Reagiere nicht mit Sprühen, Wärme, Stören oder Zwangsfütterung – genau diese Rettungsversuche töten Tiere.
- STRIKTE EINZELHALTUNG: Setze niemals zwei Tiere zusammen. Vogelspinnen sind solitär und kannibalisch; regelmäßig frisst das eine das andere. Ein Zusammensetzen erfolgt ausschließlich zur kontrollierten Verpaarung – mit Rückzugsplan für das Männchen und nichts für Einsteiger.
Wusstest du?
Interessante Fakten
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Die Gattung Chromatopelma ist monotypisch – Chromatopelma cyaneopubescens ist weltweit die einzige Art darin. Sie wurde 1907 von Embrik Strand als Eurypelma cyaneopubescens beschrieben und 1995 von Günter Schmidt in eine eigene Gattung gestellt.
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Sie gehört zu den extremsten Gespinstbauern unter den Vogelspinnen: Im Terrarium überzieht sie das halbe Becken mit dichten Röhren und Trichtern. Im Trockenbusch schützt dieses Gespinst den Höhleneingang vor dem harschen Klima und dient zugleich als Insektenfalle.
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Die berühmte Farbkombination – metallisch blaue Beine, grün schimmernder Carapax, orangeroter Hinterleib – entwickelt sich erst mit zunehmendem Alter; Jungtiere sehen deutlich unscheinbarer aus.
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