Martinique-Baumvogelspinne
Caribena versicolor
Die Martinique-Baumvogelspinne ist eine der farbenprächtigsten Baumvogelspinnen überhaupt: leuchtend blau als Jungtier, metallisch grün-blau mit rosa Fußspitzen als Adulttier. Sie gilt als ruhig, verzeiht aber keine Haltungsfehler — schlechte Belüftung bei zu feuchter Luft ist die häufigste Todesursache.
Herkunft: Kleine Antillen (Karibik). Der World Spider Catalog führt als Verbreitung ausschließlich Martinique; in der Hobby-Literatur wird zusätzlich Guadeloupe genannt, taxonomisch ist das nicht bestätigt. Lebensraum sind Baumkronen und Gebäudeüberstände im tropischen Wald — dort oben ist es luftiger, kühler und trockener als am Waldboden.
Rechtsstatus: CITES III / EG-VO Anhang C (von der EU gelistet) — keine A/B-Listung, nicht meldepflichtig.
Haltungsdaten im Überblick
- Temperatur (Tag)
- ca. 24–28 °C; beheizte Zimmertemperatur genügt. Hinweis: Die Quellen streuen deutlich (englischsprachige Care-Sheets nennen 20–29 °C als tolerierten Bereich, deutsche Quellen 24–29 °C). Extremwerte unter 20 °C und dauerhafte Hitze vermeiden.
- Temperatur (Nacht)
- Nachtabsenkung auf ca. 20–22 °C ist unproblematisch und entspricht dem natürlichen Rhythmus.
- Luftfeuchtigkeit
- ca. 65–80 % — aber ausschließlich in Kombination mit starker Querlüftung. Erreicht über Wasserschale, punktuelles Besprühen einer Ecke bzw. des Gespinsts (2x/Woche), nicht über durchnässtes Substrat.
- Terrarium (Minimum)
- ca. 30 x 30 x 40 cm (L x B x H) für adulte Tiere — die Höhe ist entscheidend. Quellenangaben reichen von 25 x 25 x 40 cm bis 30 x 30 x 45 cm.
- Terrarientyp
- Arboreales Hochterrarium (Baumbewohner) mit Frontöffnung, senkrechter Korkröhre, Ästen und Bepflanzung — zwingend mit Querlüftung (Lüftung oben plus seitlich unten). Höher als breit; weiches Substrat am Boden zur Dämpfung von Stürzen.
- Sozialverhalten
- Strikter Einzelgänger — nur Einzelhaltung. Vergesellschaftung führt zu Kannibalismus.
- Ernährung
- Insektenfresser: Grillen, Heimchen, Schaben (z. B. Dubia, Rote Renner) aus Nachzucht, passend zur Körpergröße. Adulte Tiere alle 2–3 Wochen, Jungtiere alle 7–10 Tage, Spiderlinge ca. 2x pro Woche. Nicht gefressenes Lebendfutter nach spätestens 24 Stunden entfernen; während der Häutungsphase gar nicht füttern. Wasserschale dauerhaft anbieten; getrunken wird auch von Gespinst und Blättern.
- Lebenserwartung
- Weibchen ca. 10–12 Jahre (einzelne Quellen bis 15 Jahre), Männchen nur ca. 3–4 Jahre.
Pflege & Haltung
Das solltest du wissen
- Sorge für echte Querlüftung: Lüftungsflächen oben UND seitlich unten, damit die Luft wirklich durchzieht. Staufeuchte und stehende, nasse Luft töten diese Art schneller als zu trockene Luft. Halte das Substrat höchstens leicht feucht, niemals durchnässt — sprühe punktuell nur eine Ecke oder das Gespinst an (ca. 2x/Woche) und stelle eine Wasserschale auf. Im Zweifel lieber etwas zu trocken als eine feuchte Luftglocke.
- Entferne nicht gefressenes Lebendfutter spätestens nach 24 Stunden und setze NIEMALS Futter zu einer Spinne vor, während oder direkt nach der Häutung — Grillen und Schaben nagen die wehrlose, weiche Spinne an und töten sie. Anzeichen der bevorstehenden Häutung: dunkler, kahler Hinterleib, Futterverweigerung, Rückzug ins Gespinst, später Rückenlage. Dann nicht anfassen, nicht sprühen, nicht umsetzen. Ein Fasten von ein bis zwei Wochen vor der Häutung ist völlig normal — zwinge kein Futter auf. Füttere erst wieder, wenn der Panzer hart und die Cheliceren tiefschwarz sind: Spiderlinge 1–2 Tage, Jungtiere 3–7 Tage, Adulte 5–10 Tage nach der Häutung.
- Halte sie arboreal, nicht am Boden: Das Terrarium muss deutlich HÖHER als breit sein (ca. 30 x 30 x 40 cm für adulte Tiere), mit senkrechter Korkröhre, Ästen und Anheftpunkten bis unter die Decke. Ein flaches, breites Terrarienbecken ist das falsche Setup. Halte gleichzeitig die Fallhöhe im Inneren klein: mehrere Zentimeter weiches Substrat am Boden, keine harten Dekosteine — ein Sturz IM Terrarium reißt den Hinterleib genauso auf wie ein Sturz aus der Hand.
- Halte jedes Insektengift aus der Wohnung fern: keine Fliegen- oder Mückensprays, keine Mückenstecker/Verdampfer im selben Raum, keine Spot-on-Floh- und Zeckenmittel bei Hund oder Katze in Terrariennähe, kein Schädlingsnebel im Haus. Dosen, die Wirbeltieren nichts anhaben, töten Spinnentiere. Verfüttere außerdem niemals im Freien gefangene Insekten (Pestizidbelastung) — nur Futtertiere aus Nachzucht.
- Nimm das Tier nicht auf die Hand (kein Handling). Es ist meist ruhig, springt aber bei Schreck blitzschnell und weit; ein Sturz aus der Hand reißt den Hinterleib auf und ist tödlich. Arbeite ruhig, mit langer Pinzette, durch die geöffnete Frontscheibe. Das Gift ist für gesunde Menschen medizinisch unbedeutend, ein Biss aber schmerzhaft — bedrängt verspritzt sie eher Kot oder flüchtet, als zu beißen.
- Schütze dich vor den Brennhaaren (Typ II): Sie sitzen am hinteren Hinterleib und werden durch direkten Kontakt übertragen — auch über Gespinst, Deko und Einrichtung. Wasche nach jeder Arbeit am Terrarium die Hände und fasse dir dabei nie ins Gesicht oder an die Augen. Brennhaare im Auge oder in den Atemwegen verursachen schwere, langwierige Reizungen; allergische Reaktionen sind möglich. Beim Umbau der Einrichtung Handschuhe tragen.
- Halte strikt einzeln — ein Tier pro Terrarium. Jede Vergesellschaftung endet in Kannibalismus. Verwende ein Terrarium mit Frontöffnung: Öffnest du von oben, zerstörst du bei jeder Pflege die Gespinströhre und stresst das Tier massiv.
- Verzichte auf punktuelle Wärmequellen: kein Spot, kein Wärmestrahler, keine Heizmatte direkt an Scheibe oder Boden. Beheizte Zimmertemperatur genügt (tagsüber ca. 24–28 °C, nachts 20–22 °C); Strahlungswärme trocknet das Tier aus. Behandle Jungtiere besonders vorsichtig — die meisten Verluste passieren im Spiderling-Stadium durch falsche Feuchte-/Lüftungsbalance.
Wusstest du?
Interessante Fakten
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Der Artname "versicolor" (lat. "farbwechselnd") ist Programm: Jungtiere sind leuchtend blau mit dunkler Zeichnung, adulte Tiere schillern metallisch grün-blau mit rötlichen Tönen und rosafarbenen Fußspitzen.
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Die Gattung Caribena existiert erst seit 2017 — Fukushima & Bertani trennten sie in ihrer Avicularia-Revision ab. In älterer Literatur und in vielen Shops läuft die Art deshalb noch als "Avicularia versicolor".
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Statt zu beißen, katapultiert die Art bei Bedrohung eher Kot in Richtung Angreifer oder springt weg. Bisse sind extrem selten.
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