Maurische Landschildkröte (Testudo graeca)
Reptil Experte

Maurische Landschildkröte

Testudo graeca

Die Maurische Landschildkröte besiedelt ein riesiges Gebiet über drei Kontinente, weshalb sich die Unterarten in Klima- und Überwinterungsansprüchen stark unterscheiden. Die hier beschriebene nordafrikanische Nominatform (T. g. graeca) gilt als ausgesprochen kälte-, nässe- und stressempfindlich und gehört nur in erfahrene Hände.

Herkunft: North Africa (Morocco–Libya), S Spain, the Balkans, Anatolia and the Middle East — subspecies differ strongly in climate and brumation needs

Haltungsdaten im Überblick

Temperatur (Tag)
25–32°C
Sonnenplatz
45°C
Temperatur (Nacht)
16–18°C
Luftfeuchtigkeit
35–55%
Terrarium (Minimum)
176×88 cm (8 × Panzerlänge, Breite = halbe Länge)
Terrarientyp
Trockene Busch- und Steppenlandschaft; Freigehege mit beheizbarem Schutzhaus/Frühbeet
Aktivität
tagaktiv
Sozialverhalten
Gruppenhaltung ist der Einzelhaltung vorzuziehen, doch Männchen bedrängen Weibchen dauerhaft: Geschlechter trennen oder mindestens ein Männchen auf drei Weibchen halten; niemals mit anderen Schildkrötenarten vergesellschaften.
Ernährung
Rein pflanzlich und proteinarm: Wiesenkräuter wie Löwenzahn, Wegerich, Klee, Malve und Distel; kein Obst, keine tierische Kost.
Lebenserwartung
über 100 Jahre (ältestes bekanntes Tier ca. 160 Jahre)

Pflege & Haltung

Das solltest du wissen

  1. Winterruhe ist bei dieser Art vollständig unterart- und herkunftsabhängig: Die nordafrikanische Nominatform T. g. graeca darf KEINE lange, tiefe Hibernation halten — der Reptiliendoktor sieht für afrikanische Formen nur eine Ruhezeit bei 15–18 °C vor, die Tortoise Protection Group allenfalls eine kurze Winterruhe für gesunde, gut genährte Adulttiere; kranke, untergewichtige oder kleine Tiere niemals herunterkühlen.
  2. Klären Sie vor jeder Kühlung Unterart und Herkunft des Tieres ab: Das BMEL-Gutachten führt die europäisch-vorderasiatischen Formen (Überwinterung „ja", Gruppe G) und die afrikanischen Formen (Überwinterung nur „eventuell", Gruppe H) getrennt — eine pauschale Winterruhe-Empfehlung für „Testudo graeca" ist lebensgefährlich.
  3. Richten Sie ein Wärme- und UV-Gefälle ein: punktuell 45 °C am Sonnenplatz (BMEL-Gutachten, Reptiliendoktor), 25–32 °C in der Warmzone, nachts 16–18 °C, dazu eine UVB-Quelle; UVB-Leuchtstoffröhren laut Tortoise Protection Group nach 6 Monaten tauschen (10.0-Röhren nach 10–12 Monaten), auch wenn sie noch leuchten.
  4. Freilandhaltung ist bei der nordafrikanischen Form nur in den Sommermonaten vertretbar und ausschließlich mit Sonnenplätzen, schattenspendenden Pflanzen und einem beheizbaren Schutzhaus (BMEL-Gruppe H); die Tiere reagieren empfindlich auf Kälte, Nässe und Stress.
  5. Füttern Sie ausschließlich rohfaserreiche, proteinarme Wiesenkräuter (Löwenzahn, Wegerich, Klee, Malve, Gänsedistel) mit Kalziumzugabe, verzichten Sie vollständig auf Obst, halten Sie die Luftfeuchte bei 35–55 % und baden Sie das Tier regelmäßig in flachem, warmem Wasser; eine flache, kippsichere Wasserschale und ein feuchtes Erdversteck gehören dazu.

Wusstest du?

Interessante Fakten

  • Maurische Landschildkröten können Menschen überleben: Belegt sind Lebensspannen von über 100 Jahren, das älteste bekannte Tier soll rund 160 Jahre alt geworden sein.

  • Ob sich der Artname „graeca" auf das griechische Verbreitungsgebiet oder auf die an griechische Buchstaben erinnernde Panzerzeichnung bezieht, ist bis heute umstritten — der Holotyp stammt von Santa Cruz in „West Barbary" nahe Oran in Algerien.

  • Je nach Autor werden elf (Reptile Database) bis zwölf (Wikipedia) Unterarten anerkannt, deren Verbreitungsgebiet sich von Südspanien über Nordafrika bis in den Nahen Osten über drei Kontinente erstreckt.