Moos-Plattschwanzgecko
Uroplatus sikorae
Der Moos-Plattschwanzgecko ist ein nachtaktiver Baumbewohner aus den Bergregenwäldern Madagaskars und einer der besten Tarnkünstler der Reptilienwelt. Er braucht kühl-feuchte, sehr stabile Bedingungen, ist ausgesprochen stressempfindlich und damit eine Art für erfahrene Halter.
Herkunft: Ost- und Nordost-Madagaskar: montane Regenwälder, überwiegend oberhalb von ca. 1.000 m Höhe. Typuslokalität: Hochplateau bei Andrangoloaka, südöstlich von Antananarivo.
Rechtsstatus: CITES Anhang II · EG-VO Anhang B — § 7 Abs. 2 BArtSchV · § 46 BNatSchG · EG-VO 338/97
Haltungsdaten im Überblick
- Temperatur (Tag)
- 22-25 °C
- Temperatur (Nacht)
- 18-20 °C
- Luftfeuchtigkeit
- tagsüber 70-75 %, nachts 80-85 %
- Terrarium (Minimum)
- mind. 45 x 45 x 60 cm (B x T x H) für ein Einzeltier; besser 60 x 45 x 90 cm (B x T x H) — vertikal ausgerichtet, Höhe ist wichtiger als Grundfläche
- Terrarientyp
- Tropisches Regenwald-Terrarium, vertikal ausgerichtet: dicht bepflanzt, viele senkrechte und schräge Äste, Korkröhren und Rindenstücke als Ruheplätze; Bodengrund z. B. Rindenmulch mit Laubschicht, Wasserschale obligatorisch. Zwingend mit Querlüftung (Gitter unten in der Front + oben im Deckel).
- Aktivität
- Dämmerungs- und nachtaktiv; ruht tagsüber getarnt und meist kopfüber an Stämmen und Ästen, Aktivitätsmaximum vom späten Abend über die ganze Nacht
- Sozialverhalten
- Einzel- oder gezielte Paarhaltung. Männchen sind untereinander territorial, dauerhafte Gruppenhaltung wird nicht empfohlen; Jungtiere werden einzeln aufgezogen.
- Ernährung
- Reiner Insektenfresser: Heimchen, Grillen, Schaben, Heuschrecken, gelegentlich weichschalige Schnecken. Ausschließlich Zuchtinsekten, kein Wildfang; Insekten vor der Fütterung aufwerten (Gut Loading) und mit Kalzium bestäuben. Fütterung: Jungtiere täglich bis jeden zweiten Tag; adulte Tiere jeden zweiten Tag bis 1-2x pro Woche (2-3 Insekten pro Tier) — an Körperkondition und Fressverhalten anpassen. Nicht gefressene Insekten abends wieder absammeln.
- Lebenserwartung
- ca. 5-15 Jahre in Menschenobhut (Gattungsangabe für Uroplatus; Wildfänge leben deutlich kürzer)
Pflege & Haltung
Das solltest du wissen
- Sorge für UVB und Kalzium — sonst stirbt das Tier an Knochenweiche (MBD), Weibchen zusätzlich an Legenot. Setze eine schwache UVB-Lampe für dämmerungsaktive Arten ein (Ferguson-Zone 1, niedriger UV-Index im oberen Ruhebereich) und biete darunter immer ausreichend Schatten und Verstecke an. Bestäube die Futterinsekten bei jeder Fütterung mit reinem Kalzium ohne D3 und gib nur jede zweite Fütterung ein Vitamin-/Mineralpräparat mit D3: Kalzium täglich, Vitaminpulver sparsam — überdosiere nicht, aber lasse die Kalziumgabe niemals ganz weg.
- Halte es kühl: 22-25 °C tagsüber, 18-20 °C nachts, kontrolliert mit einem Thermometer im Terrarium. Verzichte auf einen Wärmespot — die Art kommt aus kühlen Bergregenwäldern, ab ca. 26 °C wird es kritisch, Hitzestau ist die häufigste Todesursache. Falls du überhaupt eine Wärmequelle betreibst, hänge sie ausnahmslos an einen Thermostat mit Abschaltung. Kühle im Sommer aktiv den Raum (kühler Standort, Klimagerät, Verdunstung) statt zu hoffen, dass es passt.
- Baue eine Querlüftung ein: Lüftungsgitter unten in der Front und oben im Deckel, damit die Luft nach dem Sprühen wieder abtrocknet. Stehende Dauerfeuchte erzeugt Schimmel und Atemwegsinfektionen — neben Hitze der zweite große Killer bei Plattschwanzgeckos. Sprühe lieber mehrmals kurz, als das Terrarium permanent nass zu halten.
- Sprühe täglich mit lauwarmem Wasser (nie kalt, das löst Stress aus), halte tagsüber 70-75 % und nachts 80-85 % Luftfeuchte und biete dauerhaft frisches Trinkwasser an. Kontrolliere das Tier auf Faltenhaut, eingefallene Augen und Häutungsreste an Zehen und Schwanzspitze — das sind Alarmzeichen für Austrocknung; die hauchdünne Haut verzeiht keine trockenen Phasen.
- Sammle nicht gefressene Futterinsekten noch am selben Abend wieder ab. Heimchen und Grillen nagen nachts am schlafenden Gecko und reißen in der extrem dünnen Haut offene, oft infizierte Wunden. Verfüttere ausschließlich Zuchtinsekten (nie Wildfänge — Parasiten und Pestizide) und werte sie vorher mit Gemüse oder Futterbrei auf.
- Halte jedes neue Tier mindestens drei Monate in Quarantäne und lasse in dieser Zeit eine Kotprobe auf Parasiten untersuchen. Fahre sofort zum reptilienkundigen Tierarzt, wenn der Gecko mit offenem Maul atmet, pfeifende oder knackende Atemgeräusche macht, Schleim an Nase oder Maul zeigt oder mehrere Tage nicht frisst — eine Atemwegsinfektion verläuft bei dieser Art schnell tödlich.
- Behandle ihn als Schautier, nicht als Handtier: Fasse ihn nur an, wenn es nötig ist (Kontrolle, Transport, Tierarzt), höchstens einmal pro Woche. Halte einzeln oder als gezieltes Paar — Männchen sind untereinander territorial und verletzen sich, Jungtiere ziehst du einzeln auf. Stelle das Terrarium ruhig, erhöht und abseits von Durchgangsverkehr, Lärm und Erschütterungen auf.
- Kaufe ausschließlich dokumentierte Nachzuchten mit lückenlosem Herkunftsnachweis: Die Art steht in CITES Anhang II / EG-VO Anhang B und ist damit besonders geschützt. Melde dein Tier bei der zuständigen Naturschutzbehörde an und bewahre alle Papiere auf — ohne Nachweis kannst du die Haltung nicht legal absichern.
Wusstest du?
Interessante Fakten
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Ein dermaler Hautsaum läuft um Körper und Beine und löst die Silhouette des Geckos komplett auf — zusammen mit dem Farbwechsel (moosgrün, flechten- oder rindenfarben) verschwindet das Tier für das ungeübte Auge vollständig auf einem Baumstamm.
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Die Mundschleimhaut von U. sikorae ist schwarz bis dunkelbraun. Genau daran unterscheidet man die Art von der nah verwandten U. sameiti, deren Maul rosa bis fleischfarben ist — und beim Drohen wird dieses schwarze Maul weit aufgerissen präsentiert.
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Plattschwanzgeckos sind nicht stumm: Sie brummen, bellen und können bei Bedrohung regelrecht schreien, um Fressfeinde zu erschrecken.
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