Namib-Sandgecko
Chondrodactylus angulifer
Der Namib-Sandgecko ist ein kräftiger, rein bodenbewohnender Wüstengecko aus dem südlichen Afrika, der sich mit Krallen statt Haftlamellen selbst Höhlen in den Sand gräbt. Er gilt als robust, ist aber ausgesprochen wehrhaft und braucht ein trockenes, tiefgründiges Sandterrarium mit klarem Temperaturgefälle.
Herkunft: Südliches Afrika: Namibia, südlichstes Botswana und westliches Südafrika (Namib, Karoo, Randgebiete der Kalahari) — Sand- und Trockengebiete, Wüsten- und Halbwüstenebenen. Typuslokalität: Distrikt Calvinia, Oorlogsrivier, Nordkap (Südafrika).
Rechtsstatus: Weder in WISIA noch in BArtSchV Anlage 1. Der Homonym «Chilabothrus angulifer» ist eine Boa, nicht dieser Gecko.
Haltungsdaten im Überblick
- Temperatur (Tag)
- ca. 26-32 °C tagsüber, mit deutlich kühlerer Ausweichzone
- Sonnenplatz
- punktueller Wärmeplatz ca. 32-35 °C, von oben, thermostatgeregelt und am Bodengrund gemessen
- Temperatur (Nacht)
- ca. 20-24 °C (Nachtabsenkung)
- Luftfeuchtigkeit
- trocken, ca. 40-60 % rel. Luftfeuchte; Bodengrund trocken halten, dazu eine feuchte Versteckbox mit Sphagnum-Moos als Häutungshilfe
- Terrarium (Minimum)
- ab 120 x 70 x 60 cm (L x T x H) für ein Tier — Bodenfläche vor Höhe
- Terrarientyp
- Trocken-/Wüstenterrarium, horizontal ausgerichtet (reiner Bodenbewohner). Tiefer, grabfähiger Sand-Lehm-Bodengrund (mind. 10 cm), mehrere Bodenverstecke und Steinplatten, davon eine feuchte Versteckbox als Häutungshilfe. Wärmequelle nur von oben, gute Querlüftung.
- Aktivität
- dämmerungs- und nachtaktiv; verbringt den Tag in selbstgegrabenen Erdhöhlen oder unter Steinen
- Sozialverhalten
- Einzelhaltung; paarweise nur zeitweise zur Paarung. Zwei Männchen sind stark territorial, unverträglich und dürfen nicht zusammen gehalten werden; das Männchen wird nach der Paarung wieder abgetrennt, da es Gelege zerstören kann.
- Ernährung
- Insektivor: lebende Futterinsekten (Heimchen, Grillen, Schaben; Mehlwürmer nur gelegentlich), bei jeder Fütterung mit Kalzium + D3 bzw. Multivitamin bestäubt — nur im Napf oder mit der Pinzette, nie auf losem Sand
- Lebenserwartung
- bis ca. 10 Jahre in Menschenobhut
Pflege & Haltung
Das solltest du wissen
- Wärme ausschließlich von oben und thermostatgeregelt: Spotstrahler mit Schutzkorb, punktueller Wärmeplatz ca. 32-35 °C, direkt am Bodengrund nachmessen. Keine Heizmatte unter dem Terrarium, keinen Wärmestein — die Art gräbt sich zur Abkühlung nach unten ein und erkennt Hitze von unten nicht als Gefahr: Sie verbrennt in der eigenen Höhle. Kühle Ausweichzone und Nachtabsenkung (ca. 20-24 °C) sind Pflicht.
- Kalzium immer MIT D3 geben: Als nachtaktiver Gecko deckt er seinen Vitamin-D3-Bedarf im Terrarium nicht selbst. Futtertiere bei jeder Fütterung mit Kalzium + D3 bzw. einem D3-haltigen Multivitamin nach Herstellerangabe bestäuben. Reines Kalzium ohne D3 führt zu Kalziummangel, Metabolischer Knochenkrankheit (MBD) und zum Tod — gleichzeitig D3 und Vitamin A nicht überdosieren.
- Trinkwasser jederzeit bereitstellen: flache, immer zugängliche Wasserschale anbieten und morgens (nicht abends) eine Ecke oder das feuchte Versteck leicht übersprühen. Ohne Trinkwasser verdurstet das Tier — den Bodengrund dabei nie durchnässen, Staunässe vermeiden.
- Futtertiere niemals auf losem Sand anbieten: in einem Napf mit glatten Wänden oder mit der Pinzette verfüttern, besonders Mehlwürmer. Beim Zuschnappen mitgefressener Sand führt zu Darmverschluss (Impaktion) und endet tödlich.
- Nicht gefressene Grillen und Heimchen abends absammeln: Sie benagen nachts das schlafende oder in der Häutung befindliche Tier an Augen, Zehen und frischer Haut und verursachen Infektionen.
- Trocken und gut belüftet halten: für ausreichende Querlüftung sorgen. Wärme plus Stauluft und Dauerfeuchte lösen bei dieser Wüstenart schnell Atemwegsinfektionen und Hautprobleme aus. Feucht gehalten wird ausschließlich eine einzelne Versteckbox mit Sphagnum-Moos als Häutungshilfe.
- Grabfähigen Bodengrund von mindestens 10 cm einrichten (standfestes Sand-Lehm-Gemisch), dazu mehrere Bodenverstecke und Steinplatten. Auf flachem oder nicht grabfähigem Substrat kann das Tier keine Höhle anlegen und findet keinen Rückzugsort.
- Niemals zwei Männchen zusammensetzen (Rivalenkämpfe, Dauerstress) — Einzelhaltung ist der Standard; das Männchen nach der Paarung wieder abtrennen, da es Gelege zerstört. Adulte Tiere beißen bei Bedrohung kräftig zu und lassen nicht sofort los: Handling auf das Nötigste beschränken und nie in ein besetztes Versteck oder in die Grabhöhle greifen. Vor einer Zucht oder einer winterlichen Kühlphase erfahrene Halter und einen reptilienkundigen Tierarzt einbeziehen.
Wusstest du?
Interessante Fakten
-
Als einzige Art seiner Gattung besitzt er keine Haftlamellen an den Zehen: Er kann nicht an Glas oder Fels hochklettern, sondern lebt rein am Boden und gräbt sich mit kräftigen Krallen selbst Höhlen in den Sand.
-
Das Gelege besteht meist nur aus ein bis zwei fast kugelrunden, sehr zerbrechlichen Eiern von rund 18 x 16 mm — riesig im Verhältnis zum Muttertier mit kaum 10 cm Kopf-Rumpf-Länge.
-
Der Artname angulifer bedeutet 'Winkelträger' und spielt auf die winkelige Zeichnung des Rückens an; Wilhelm Peters beschrieb die Art bereits 1870.
Mehr erfahren