Usambara-Vogelspinne (Pterinochilus murinus)
Spinnentier Experte

Usambara-Vogelspinne

Pterinochilus murinus

Die Usambara-Vogelspinne ist eine blitzschnelle, extrem wehrhafte Altwelt-Vogelspinne aus dem östlichen und südlichen Afrika. Ihr Gift ist medizinisch relevant — sie gehört ausschließlich in erfahrene Hände und wird niemals angefasst.

Herkunft: Ost-, Zentral- und südliches Afrika. Der World Spider Catalog verzeichnet: DR Kongo, Burundi, Kenia, Tansania, Angola, Sambia, Mosambik, Simbabwe, Südafrika. Der Holotyp stammt aus der Region Ugogo (heute Dodoma, Tansania).

Haltungsdaten im Überblick

Temperatur (Tag)
ca. 24–28 °C; Werte zwischen 20 und 28 °C werden problemlos vertragen (normale Zimmertemperatur reicht in der Regel aus)
Temperatur (Nacht)
20–22 °C (Nachtabsenkung möglich)
Terrarium (Minimum)
Mindestens 30 x 30 x 30 cm für adulte Tiere; als Faustregel sollte die Grundfläche mindestens das Dreifache der Beinspannweite betragen.
Terrarientyp
Gut belüftetes, überwiegend trockenes Terrarium; grabend/röhrenbewohnend, opportunistisch auch semi-arboreal. Tiefes, grabfähiges Substrat (ca. 10–15 cm), geringe freie Höhe über dem Substrat.
Aktivität
nachtaktiv
Sozialverhalten
Strikt solitär — nur Einzelhaltung. Stark territorial, Kannibalismus (auch sexueller Kannibalismus bei der Verpaarung); Jungtiere zerstreuen sich nach 4–6 Wochen.
Ernährung
Insektenfresser: Grillen, Heimchen, Schaben, Heuschrecken — ausschließlich aus kommerzieller Zucht. Adulte Tiere etwa alle 2–3 Wochen füttern; Beutetier höchstens körpergroß (ideal: nicht größer als das Prosoma).
Lebenserwartung
Weibchen ca. 10–15 Jahre, Männchen ca. 2–4 Jahre

Pflege & Haltung

Das solltest du wissen

  1. GIFTIG — fasse dieses Tier niemals an, auch nicht kurz und auch nicht als erfahrener Halter. Arbeite ausschließlich mit langer Pinzette und Fangbecher, greife nie mit der Hand ins Becken: Die Art ist blitzschnell, beißt häufig ohne vorherige Drohgebärde und hat als Altweltart keine Brennhaare — nur den Biss. Nach einem Biss sofort in die Notaufnahme und die Art namentlich nennen (Pterinochilus murinus): Rechne mit heftigen Schmerzen und anfallsartigen, generalisierten Muskelkrämpfen, die tagelang anhalten können. Ein Antivenin gibt es nicht, behandelt wird symptomatisch in der Klinik. Nicht abbinden, nicht aussaugen.
  2. Halte das Terrarium dauerhaft verschlossen und gesichert (Verschluss oder Riegel, nicht nur aufgelegte Scheibe), stelle es außerhalb der Reichweite von Kindern und anderen Haustieren auf und öffne es nie ohne bereitliegenden Fangbecher. Rechne beim Öffnen jederzeit mit einem blitzschnellen Fluchtsprint. Hantiere nie am Terrarium, wenn du allein in der Wohnung bist, und arbeite in einem geschlossenen, aufgeräumten Raum.
  3. Füttere während der Häutung nicht und störe das Tier nicht — von den ersten Anzeichen der Vorhäutung bis etwa ein bis zwei Wochen danach. Lasse niemals lebende Futtertiere (Grillen, Heimchen, Schaben) über Nacht im Becken: Sie nagen die wehrlose Spinne während der Häutung an und töten sie. Entferne jedes nicht gefressene Futtertier innerhalb von 24 Stunden. Füttere nur Beute, die kleiner als der Spinnenkörper ist (Faustregel: höchstens so groß wie das Prosoma). Eine Spinne, die auf dem Rücken liegt, häutet sich und lebt — fasse sie nicht an und 'rette' sie nicht.
  4. Verwende niemals eine Heizmatte unter dem Terrarium und keinen Heizstein. Diese Art gräbt: Bei Wärme von unten gräbt sie sich zur Hitzequelle hin und trocknet aus bzw. verbrennt. Wärme — falls überhaupt nötig — kommt seitlich, von oben oder über die Raumtemperatur.
  5. Halte die freie Höhe über dem Substrat gering (Faustregel: höchstens etwa das Ein- bis Anderthalbfache der Beinspannweite) und fülle hohe Becken entsprechend mit Substrat auf. Schon ein Sturz aus wenigen Zentimetern lässt das Opisthosoma (Hinterleib) platzen und ist tödlich. Hebe das Tier nie hoch und öffne das Terrarium nie in erhöhter Position.
  6. Halte die Wasserschale immer gefüllt, sauber und frei zugänglich — Austrocknung ist bei trockener Haltung die häufigste Todesursache. Keinen Schwamm und kein Wassergel hineinlegen (Keim- und Schimmelherd). Halte das Substrat gut belüftet und überwiegend trocken, lasse es zwischen den Sprühgängen abtrocknen und vermeide Dauernässe und Schimmel.
  7. Halte jedes Insektizid und Pestizid aus dem Raum fern — Vogelspinnen reagieren extrem empfindlich. Keine Insektensprays, Fogger/Vernebler, Mückenspiralen oder Rauch im selben Zimmer, und keine Spot-on-Präparate oder Flohhalsbänder anderer Haustiere in der Nähe. Verfüttere ausschließlich Futtertiere aus kommerzieller Zucht, niemals Wildfänge (Pestizide, Parasiten).
  8. Halte das Tier strikt einzeln. Setze niemals zwei Tiere zusammen — die Art ist stark territorial und kannibalistisch, eine Vergesellschaftung endet regelmäßig tödlich. Ein Zusammensetzen erfolgt nur kurz, kontrolliert und nur zur Verpaarung.

Wusstest du?

Interessante Fakten

  • Die Hobby-Abkürzung "OBT" (Orange Baboon Tarantula) wird von Haltern augenzwinkernd auch als "Orange Bitey Thing" aufgelöst — eine Anspielung auf ihre legendäre Beißfreudigkeit.

  • Es werden fünf Farbformen unterschieden (u. a. RCF/Red, OCF/Orange, TCF/Typical, DCF/Dark, BCF/Brown). Man vermutet, dass die Färbung mit dem Bodentyp des jeweiligen Fundorts zusammenhängt.

  • Sie ist ein Meister im Bauen: Die Tiere legen ausgedehnte, röhrenförmige Gespinste an, graben eigene Erdhöhlen oder beziehen verlassene Bauten anderer Tiere — und sind dabei erstaunlich flexibel zwischen bodenbewohnend und halbbaumbewohnend.