Zwergkrallenfrosch (Hymenochirus boettgeri)
Amphibie Anfänger Anfängergeeignet

Zwergkrallenfrosch

Hymenochirus boettgeri

Der Zwergkrallenfrosch ist ein rein aquatischer Kleinfrosch aus den Regenwäldern Zentralafrikas, der sein ganzes Leben im Wasser verbringt – aber mit Lungen atmet und deshalb regelmäßig auftauchen muss. Er ist friedlich und gesellig, braucht jedoch ein eingefahrenes Artenbecken und gezielte Fütterung mit Lebend- oder Frostfutter, sonst verhungert oder vergiftet er sich.

Herkunft: Äquatoriales Zentralafrika: Südost-Nigeria, Kamerun, Äquatorialguinea, Gabun, Zentralafrikanische Republik bis in den Osten der Demokratischen Republik Kongo. Lebensraum sind stehende, schattige Gewässer und Tümpel des Tieflandregenwaldes sowie Altwässer langsam fließender Flüsse. IUCN-Status: Least Concern (nicht gefährdet).

Haltungsdaten im Überblick

Temperatur (Tag)
Wassertemperatur 24–26 °C (in der Literatur genannter Toleranzbereich 22–28 °C)
Terrarium (Minimum)
ab 60 x 30 x 30 cm (ca. 50–60 Liter), Wasserstand ca. 20–30 cm; lange, flache Becken bevorzugen
Terrarientyp
Reines Aquarium – vollaquatische Haltung ohne Landteil. Feiner Sandboden, dichte Bepflanzung und Versteckmöglichkeiten, ruhige Strömung, freie Wasseroberfläche zum Luftholen, dicht schließende Abdeckung mit Luftspalt, Filter mit gesichertem Ansaugstutzen.
Sozialverhalten
Gesellig und friedlich, keine Territorialität gegenüber Artgenossen. Gruppenhaltung ab mindestens 3–5 Tieren; bewährt hat sich 1–2 Männchen mit mehreren Weibchen. Vergesellschaftung mit Fischen ist problematisch (Nahrungskonkurrenz, Verhungern der Frösche) – Artenbecken empfohlen. Kleine Wirbellose wie Zwerggarnelen und deren Jungtiere werden als Beute gejagt.
Ernährung
Karnivor. Lebend- und Frostfutter: rote/weiße/schwarze Mückenlarven, Artemia, Daphnien, Tubifex, kleine Würmer. Gezielt und einzeln füttern (Pipette/Pinzette/Futterschale), da die Tiere schlecht sehen und langsam fressen. Kein Flocken- oder Granulatfutter. Adulte Tiere jeden zweiten Tag füttern – die Art neigt zu Verfettung.
Lebenserwartung
ca. 5 Jahre (Quellenangaben schwanken stark: 5 bis 15 Jahre)

Pflege & Haltung

Das solltest du wissen

  1. NUR IN EIN EINGEFAHRENES BECKEN SETZEN – AMMONIAK UND NITRIT SIND DIE HÄUFIGSTE TODESURSACHE: Die durchlässige Haut nimmt Giftstoffe direkt aus dem Wasser auf, empfindlicher als bei den meisten Fischen. Setze die Frösche niemals in ein frisch eingerichtetes Becken. Fahre das Becken mit laufendem Filter mehrere Wochen ein und miss die Werte, bevor ein Tier einzieht: Ammoniak (NH3/NH4) und Nitrit dauerhaft 0 mg/l, Nitrat unter 20 mg/l, pH 6,5–7,8, Härte 5–15 °dGH. Wechsle regelmäßig einen Teil des Wassers – niemals 100 %, das killt die Filterbakterien.
  2. ERTRINKEN UND FILTER-ANSAUGUNG VERHINDERN: Die Tiere atmen mit Lungen und müssen zum Luftholen an die Oberfläche. Halte die Wasseroberfläche frei – keine geschlossene Pflanzendecke, keine Deko-Fallen, keine starke Strömung, die das Auftauchen verhindert oder die schwachen Schwimmer erschöpft. Bevorzuge lange, flache Becken mit 20–30 cm Wasserstand. Sichere den Ansaugstutzen des Filters mit Schwamm oder Gitter – er saugt Schwimmhäute und Gliedmaßen an und verletzt oder tötet die Tiere. Decke das Becken ab, lasse aber zwischen Wasserspiegel und Abdeckung eine Luftschicht: Die Frösche klettern heraus und trocknen außerhalb des Wassers schnell aus.
  3. NICHT ANFASSEN – DIE HAUT NIMMT ALLES AUF: Reste von Seife, Handcreme, Desinfektionsmittel oder Handdesinfektion an deinen Händen töten den Frosch. Fasse die Tiere nicht an; wenn ein Umsetzen unvermeidbar ist, nutze Kescher oder Behälter. Verwende ausschließlich aufbereitetes Wasser (kein chlor- oder kupferhaltiges Leitungswasser). Kein Aquariensalz, keine Algenmittel, keine Fischmedikamente ohne ausdrückliche Amphibien-Freigabe – Chemie aus der Fischaquaristik ist für Amphibienhaut giftig.
  4. BECKEN BEHEIZEN – NIE DAUERHAFT UNTER 22 °C: Halte die Wassertemperatur mit einem geregelten Aquarienheizer stabil bei 24–26 °C und kontrolliere sie mit einem Thermometer. Ein ungeheiztes Zimmerbecken ist keine artgerechte Haltung: Dauerhaft unter 22 °C werden die Tiere immungeschwächt und anfällig für Pilz- und Bakterienbefall.
  5. ARTENBECKEN – SONST VERHUNGERN DIE FRÖSCHE UNBEMERKT: Sie sind kurzsichtige, langsame Jäger. In Gesellschaftsbecken fressen ihnen schnelle Fische alles weg, und die Tiere hungern über Wochen, ohne dass es auffällt. Halte sie im Artenbecken und füttere gezielt mit Pipette, Pinzette oder Futterschale: Lebend- oder Frostfutter (rote/weiße/schwarze Mückenlarven, Artemia, Daphnien, Tubifex). Flocken- und Granulatfutter erkennen sie nicht als Futter. Kontrolliere bei jeder Fütterung, dass wirklich jedes Tier frisst.
  6. NEUZUGÄNGE IN QUARANTÄNE – CHYTRIDPILZ IST TÖDLICH: Halte neue Frösche mehrere Wochen getrennt vom Bestand. Übernimm kein Wasser, keine Pflanzen und keine Deko aus fremden Becken direkt ins Hauptbecken. Die Chytridiomykose (Batrachochytrium) ist für Amphibien tödlich und wird über Wasser, Pflanzen und Ausrüstung verschleppt. Benutze Kescher und Zubehör nicht in mehreren Becken, ohne sie vorher zu desinfizieren und gründlich zu spülen.
  7. SALMONELLEN – HÄNDE WASCHEN, NICHT STREICHELN: Wasche nach jedem Kontakt mit Tier, Wasser, Deko oder Kescher gründlich die Hände. Reinige Becken und Zubehör niemals in der Küchenspüle. Halte Kinder unter 5 Jahren, Schwangere und immungeschwächte Personen von Tier und Beckenwasser fern. Wasserfrösche der Gattung Hymenochirus waren in den USA Quelle eines vom CDC dokumentierten Salmonella-Typhimurium-Ausbruchs (2009–2011: 241 Fälle in 42 Staaten, 69 % der Erkrankten unter 10 Jahren, 30 % Klinikaufenthalt). Diese Frösche sind kein Streicheltier.
  8. BEIM KAUF AUF XENOPUS PRÜFEN: Im Handel werden regelmäßig Jungtiere des Afrikanischen Krallenfroschs (Xenopus laevis) als „Zwergkrallenfrosch“ verkauft. Xenopus wird 10–13 cm groß, ist ein aggressiver Räuber und stellt völlig andere Ansprüche. Prüfe vor dem Kauf: Hymenochirus bleibt 3–4 cm klein, hat Schwimmhäute an ALLEN vier Füßen, seitlich stehende Augen und raue Haut; Xenopus hat freie, ungeschwommene Vorderzehen, obenauf sitzende Augen und glatte Haut.

Wusstest du?

Interessante Fakten

  • Die Männchen „singen“ unter Wasser: Zur Balz erzeugen sie ein summendes Brummen, das man bei ruhiger Umgebung sogar außerhalb des Aquariums hören kann.

  • Obwohl die Tiere ihr ganzes Leben im Wasser verbringen und es praktisch nie verlassen, haben ausgewachsene Zwergkrallenfrösche keine Kiemen mehr – sie atmen mit Lungen und über die Haut.

  • Die Geschlechter sind gut zu unterscheiden: Weibchen werden deutlich größer und fülliger als Männchen (Literaturangabe: rund 40 % größer).